
Wozu dient ein Bonding server?
Im Gegensatz zum verbreiteteren Load-Balancing oder bei Failover-Mechanismen, wird beim WAN-Bonding die Bandbreite mehrerer unabhängiger Internetverbindungen zusammengefügt. Dazu ist ein Bonding Server im Internet notwendig, der den Traffic, der über die einzelnen Internetverbindungen vom Router vor Ort ausgesendet wird, wieder zu einem einzigen Datenstrom zusammenfügt.
Wie das funktioniert, erfahren Sie auf dieser Seite.
Den Unterschied zwischen Load-Balancing und WAN-Bonding haben wir bereits auf dieser Seite unserer Knowledge-Base zusammengefasst.
Wie funktionieren Datenübertragungen durch das Internet
Beim Aufruf eines Dienstes im Internet, z.B. dem Aufruf einer Website, wird vom Endgerät des Benutzers Kontakt mit dem Server der Gegenstelle aufgenommen. Möchte ein Benutzer also beispielsweise Wikipedia aufrufen, gibt er dies in die Adresszeile des Browsers ein oder gelangt über einen Querverweis einer Suchmaschine dort hin.
Zu diesem Zweck übermitteln eine Reihe von Verbindungsknoten im Internet den sogenannten Request vom Internetzugangspunkt des Benutzers (Router) zum eigentlichen Server im Internet. Anschließend wird eine Datenverbindung zwischen diesen beiden Computern hergestellt, über die die Daten ausgetauscht werden. Sowohl Server als auch Benutzer verfügen über eine IP-Adresse, vergleichbar mit einer Telefonnummer, zwischen denen diese Verbindung aufgebaut wird.
Beim Load-Balancing können mehrere Internetverbindungen genutzt werden, um z.B. bei einer erhöhten Anzahl an Clients in einem Netzwerk insgesamt mehr Bandbreite zur Verfügung zu stellen. Allerdings entscheidet hier der Router vor Ort über welche der Internetverbindungen einzelne Benutzer ins Internet geleitet werden. Das bedeutet, dass z.B. Client 1 eine andere externe IP-Adresse haben kann als Client 2, selbst wenn sich beide Benutzer im selben Netzwerk vor Ort befinden und über dieselbe IT-Infrastruktur an das Internet angebunden sind.
Das bedeutet aber im Umkehrschluss, dass ein Client immer auf den Internetanschluss angewiesen ist, über den der Router seinen Internetverkehr leitet. Fällt diese Internetverbindung aus, muss ein Failover-Prozess einsetzen, der den Client auf eine andere verfügbare Internetverbindung leitet. Dabei verliert der Benutzer aber sämtliche seiner bestehenden Verbindungen zu bereits aufgerufenen Diensten im Internet. Das liegt daran, dass sich auch seine IP-Adresse ändert, ohne dass dem Server im Internet dies jedoch bewusst ist. Der Server sendet weiterhin Daten an die „alte“ IP-Adresse, unter der der Client jedoch nicht mehr erreichbar ist.
Hier kommt der Bonding Server ins Spiel. Verbinden sich Clients im lokalen Netzwerk durch ein Internet Bonding mit dem Internet, werden vor Ort alle Pakete in einen Tunnel verpackt und zum eigentlichen Bonding Server geschickt. Dieser packt die Pakete aus, ordnet sie zeitlich wieder korrekt an und schickt sie danach ins Internet weiter.
Die Clients bekommen von dieser Zwischenstelle überhaupt nichts mit, sondern profitieren vielmehr von erhöhter Geschwindigkeit und einer Ausfallsicherheit, die nur mit echtem WAN-Bonding erreicht werden kann.
Aus Sicht des Clients ist die „externe IP-Adresse“ nämlich die des Bonding Servers. Die Server der Dienste, die die Benutzer aufrufen, sehen ebenfalls diese eine IP-Adresse, sodass selbst beim Wegfall einer Internetverbindung, über die das Bonding läuft, diese konstant bleibt und die Verbindungen nicht neu aufgebaut werden müssen.
Der Bonding Server fungiert also als eine Art Sammelstelle für die Pakete aller Clients. Dabei können viele unabhängige Internetverbindungen verwendet werden, um die Pakete zum Bonding Server zu übertragen. Der Wegfall einer einzigen Verbindung hat keine gravierenden Auswirkungen auf die Performance für die Clients vor Ort.
Um den Traffic aller Clients vor Ort überhaupt übertragen zu können, benötigt der Bonding Server natürlich eine hervorragende Internetanbindung, da er den Traffic vom Bonding Router empfangen und ihn anschließend ins Internet weiterleiten muss, und das natürlich in beide Richtungen (Up- und Download). Unsere Bonding Server stehen in Rechenzentren mit entsprechender Anbindung ans Internet, um hohe Geschwindigkeiten und hohe Verfügbarkeit zu gewährleisten.
Die Verbindung zwischen dem Bonding Router (vor Ort) und dem Bonding Server (im Rechenzentrum) erfolgt zudem verschlüsselt, sodass sämtliche Daten auf dem Übertragungsweg vor dem Mitlesen durch unberechtigte Dritte geschützt sind.
Zusammenfassung
- Verbindungen bleiben erhalten, wenn sie über den Bonding Server laufen, da sich selbst beim Ausfall einer Internetverbindung die externe IP-Adresse nicht ändert
- Höhere verfügbare Bandbreite durch additive Nutzung mehrerer Leitungen. Jeder Client kann die kumulierte Bandbreite aller Internetleitungen nutzen. Etwas Overhead-Traffic entsteht natürlich bei der Nutzung des Bonding-Tunnels.
- Nahtlose Ausfallsicherheit, da der Verkehr automatisch weiterläuft, auch wenn eine der zugrundeliegenden Internetverbindungen zusammenbricht
- Stabile Performance für Echtzeit-Anwendungen wie VoIP, Video-Conferencing oder Cloud-Dienste

